Übersicht Religionen (Auswahl)
Kernfakten
Rund drei Viertel der Weltbevölkerung gehören einer Religion an
Christentum größte Religion: rund 29 % der Weltbevölkerung
Islam zweitgrößte Religion: etwa 26 %
Etwa ein Viertel der Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit
Pastafarianismus entstand 2005 als Satire auf Kreationismus im Schulunterricht
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Götter und Propheten, Wiedergeburt und Erlösung, Meditation und Gebote: Religionen prägen Gesellschaften seit Jahrtausenden. Ein Überblick über die wichtigsten Glaubenssysteme der Welt – und über einige ungewöhnliche jüngere Bewegungen.
Religion ist weltweit keineswegs eine Randerscheinung. Rund drei Viertel der Weltbevölkerung gehören einer Religion an. Dabei reicht die Bandbreite von strengem Monotheismus über polytheistische Traditionen bis zu Religionen, die ohne einen Schöpfergott auskommen. Manche haben Milliarden Anhänger, andere nur wenige Hunderttausend. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Antworten auf grundlegende Fragen geben: Woher kommt der Mensch? Was ist ein gutes Leben? Was geschieht nach dem Tod?
Christentum: Glaube an Jesus Christus
Mit rund 29 Prozent der Weltbevölkerung ist das Christentum die größte Religionsgemeinschaft der Erde. Im Mittelpunkt steht der Glaube an den einen Gott und an Jesus Christus als Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit. Die Bibel ist die zentrale Heilige Schrift.
Nächstenliebe, Vergebung, Barmherzigkeit und die Hoffnung auf Erlösung gehören zu den wichtigsten christlichen Vorstellungen. Das Christentum gliedert sich unter anderem in katholische, orthodoxe und zahlreiche protestantische Kirchen. Insgesamt gibt es etwa 2,3 Milliarden Christen.
Islam: Hingabe an den einen Gott
Etwa 26 Prozent der Weltbevölkerung sind Muslime. Der Islam ist damit die zweitgrößte Religion. Im Zentrum steht der Glaube an den einen Gott, Allah, sowie an Muhammad als seinen letzten Propheten.
Das wichtigste religiöse Buch ist der Koran. Eine besondere Rolle spielen außerdem die Überlieferungen über Muhammad, die Hadithe. Das religiöse Leben wird unter anderem durch die fünf Säulen geprägt: Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosen, Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka. Die beiden größten Strömungen sind Sunnitentum und Schiitentum.
Hinduismus: Viele Wege zur Befreiung
Der Hinduismus ist mit etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung die drittgrößte religiöse Tradition. Anders als Christentum und Islam besitzt er keinen einzelnen Gründer und keine einheitliche Glaubenslehre.
Im Hinduismus existieren unterschiedliche Vorstellungen vom Göttlichen. Zu den bekanntesten Gottheiten gehören Vishnu, Shiva, Devi und Lakshmi. Gleichzeitig kennt die hinduistische Philosophie mit Brahman ein höchstes, allumfassendes Prinzip.
Zu den bedeutendsten Schriften zählen die Veden, die Upanishaden und die Bhagavad Gita. Karma, Dharma, Wiedergeburt und die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten – Moksha – gehören zu den zentralen Konzepten.
Buddhismus: Ein Weg ohne Schöpfergott
Der Buddhismus entstand vor rund 2.500 Jahren in Indien und geht auf Siddhartha Gautama, den Buddha, zurück. Je nach Zählweise gehören ihm etwa 4 bis 5 Prozent der Weltbevölkerung an.
Eine Besonderheit: Der Buddhismus benötigt keinen allmächtigen Schöpfergott. Im Zentrum stehen stattdessen die Erkenntnisse des Buddha über das menschliche Leiden und dessen Überwindung. Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad bilden den Kern seiner Lehre. Ziel ist die Befreiung von Anhaftung und Leiden und damit das Nirwana.
Judentum: Eine Religion mit jahrtausendealter Geschichte
Das Judentum ist mit ungefähr 0,2 Prozent der Weltbevölkerung zahlenmäßig klein, gehört aber zu den ältesten monotheistischen Religionen und hat die Geschichte der Weltreligionen nachhaltig geprägt.
Juden glauben an den einen Gott, der im Hebräischen unter anderem mit dem Namen JHWH bezeichnet wird. Im Zentrum steht der Bund zwischen Gott und dem Volk Israel. Die Tora ist der wichtigste Teil des Tanach und bildet die Grundlage jüdischen religiösen Lebens. Gebote, Tradition, Gottesdienst und die Verantwortung gegenüber den Mitmenschen spielen eine zentrale Rolle.
Sikhismus: Gleichheit und Dienst am Menschen
Der im Punjab entstandene Sikhismus hat weltweit etwa 25 bis 30 Millionen Anhänger. Sikhs glauben an einen einzigen, formlosen Gott. Ihr wichtigstes religiöses Werk ist der Guru Granth Sahib, der nach den zehn menschlichen Gurus als ewiger Guru gilt.
Zu den zentralen Prinzipien gehören die Gleichheit aller Menschen, ehrliche Arbeit, das Teilen mit anderen und der Dienst an der Gemeinschaft. Die charakteristischen fünf K – darunter ungeschnittenes Haar und das Tragen eines Turbans – sind insbesondere bei vielen initiierten Sikhs sichtbar.
Bahá'í: Die Einheit der Menschheit
Die Bahá'í-Religion entstand im 19. Jahrhundert in Persien und zählt weltweit mehrere Millionen Anhänger. Sie glaubt an einen Gott und versteht die großen Religionen als Teile einer fortschreitenden göttlichen Offenbarung.
Als zentrale Gestalt gilt Bahá'u'lláh. Zu seinen wichtigsten Schriften gehört der Kitáb-i-Aqdas. Zu den Grundgedanken zählen die Einheit der Menschheit, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die Überwindung religiöser Vorurteile und die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Religion.
Jainismus: Radikale Gewaltlosigkeit
Der Jainismus ist eine alte indische Religion mit mehreren Millionen Anhängern. Einen Schöpfergott kennt er nicht. Stattdessen verehren Jains die Tirthankaras, geistig vollkommene Menschen, die den Weg zur Befreiung weisen.
Das wohl bekannteste Prinzip ist Ahimsa, die konsequente Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen. Wahrhaftigkeit, Selbstdisziplin und die Überwindung materieller Bindungen sind weitere zentrale Elemente. Zu den religiösen Schriften gehören die Agamas.
Daoismus: Im Einklang mit dem Dao
Der Daoismus entstand in China und verbindet philosophische und religiöse Traditionen. Im Zentrum steht das Dao, der „Weg“ beziehungsweise die grundlegende Ordnung der Wirklichkeit. Neben dieser Vorstellung existiert in religiösen daoistischen Traditionen ein vielfältiges Pantheon von Gottheiten und spirituellen Wesen. Das Daodejing, das traditionell Laozi zugeschrieben wird, gehört zu den bekanntesten Texten. Ein wichtiger Gedanke ist Wu Wei: nicht gegen die natürliche Ordnung anzukämpfen, sondern möglichst im Einklang mit ihr zu handeln.
Shintō: Die Welt der Kami
Shintō ist die traditionelle Religion Japans. Im Mittelpunkt stehen die Kami – verehrte Wesenheiten, Naturkräfte, Ahnen und andere spirituelle Erscheinungen. Zu den wichtigsten Gestalten gehört Amaterasu, die Sonnengöttin.
Shintō besitzt kein einzelnes verbindliches Glaubensbuch. Historische Texte wie das Kojiki und das Nihon Shoki sind jedoch von großer Bedeutung. Rituale, Reinheit, die Verehrung der Kami und die Verbindung zur Natur prägen die religiöse Praxis.
Zoroastrismus: Eine der ältesten Religionen
Der Zoroastrismus geht auf den Religionsstifter Zarathustra zurück und zählt zu den ältesten noch bestehenden religiösen Traditionen. Im Mittelpunkt steht Ahura Mazda, der höchste Gott. Das wichtigste Textkorpus ist die Avesta.
Die Religion stellt die moralische Entscheidung des Menschen zwischen Wahrheit und Lüge, Gut und Böse in den Mittelpunkt. Heute gibt es weltweit nur noch einige Hunderttausend Zoroastrier, vor allem im Iran und in Indien sowie in Diasporagemeinschaften.
Und was ist mit den vielen anderen Religionen?
Die religiöse Landkarte der Welt endet keineswegs bei den großen bekannten Traditionen. Indigene und traditionelle Religionen finden sich auf allen Kontinenten. Ihre Vorstellungen reichen von der Verehrung von Ahnen und Naturkräften bis zu komplexen Pantheons lokaler Gottheiten. Besonders in Afrika, Asien, Ozeanien und bei indigenen Völkern Amerikas bestehen solche Traditionen bis heute fort.
Daneben gibt es kleinere, aber international relevante Religionen und neue religiöse Bewegungen. Dazu zählen beispielsweise Cao Dai, Tenrikyō, neuheidnische Religionen und verschiedene synkretische Bewegungen. Ihre Anhängerzahlen reichen von kleinen Gemeinschaften bis zu mehreren Millionen. Eine präzise weltweite Statistik ist allerdings schwierig, weil Religionszugehörigkeit in vielen Ländern unterschiedlich erfasst wird.
Das Fliegende Spaghetti-Monster: Religion mit Augenzwinkern
Und dann gibt es noch das Fliegende Spaghetti-Monster (FSM). Die Bewegung des sogenannten Pastafarianismus entstand 2005 als satirische Reaktion auf die Forderung, religiöse Schöpfungsvorstellungen neben Evolutionstheorien im Schulunterricht zu behandeln.
Im Zentrum steht – mit bewusst ironischer Absicht – das Fliegende Spaghetti-Monster. Als religiöses Leitwerk gilt das Evangelium des Fliegenden Spaghetti-Monsters. Anhänger verwenden unter anderem einen Piraten als Symbolfigur und feiern den „Freitag“ als religiös bedeutsamen Tag. Der Pastafarianismus wird je nach Perspektive als Parodie, religionskritische Bewegung oder – von seinen Anhängern – als Religion verstanden. Eine mit den großen Weltreligionen vergleichbare Anhängerzahl besitzt er nicht.
Eine Welt, viele Antworten
Die großen Religionen unterscheiden sich in ihren Antworten erheblich. Für Christen ist Jesus Christus zentral, Muslime orientieren sich am Koran und an Muhammad, Hindus folgen einer Vielzahl unterschiedlicher Wege, Buddhisten suchen Befreiung von Leiden, Juden leben in der Tradition des Bundes mit Gott. Andere Religionen wiederum kommen ohne Schöpfergott aus oder verstehen das Göttliche grundlegend anders.
Daneben stehen weltweit etwa ein Viertel der Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit. Auch diese Gruppe ist keineswegs einheitlich: Sie umfasst Atheisten, Agnostiker und Menschen, die zwar spirituell sind, sich aber keiner Religion zuordnen.
Religion ist damit kein einheitliches Phänomen, sondern ein außerordentlich vielfältiges Spektrum menschlicher Weltdeutungen. Von Milliarden Menschen getragen oder von kleinen Gemeinschaften bewahrt, prägen diese Traditionen bis heute Kultur, Politik, Kunst, Moral und das persönliche Leben ihrer Anhänger.
2 Quellen
- pewresearch.org/religion/2012/12/18/global-religious-landscape-exec
Umfangreiche weltweite Analyse der religiösen Zusammensetzung von 2010, die mehr als 230 Länder und Gebiete erfasst und Religionen sowie Konfessionslose nach Verbreitung und Bevölkerungsanteil vergleicht.
- laenderdaten.info/religionen
Überblick über die weltweite Verbreitung verschiedener Religionen mit Angaben zu ihren globalen Bevölkerungsanteilen sowie ihrer Verteilung nach Ländern und Regionen.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 10. August 2026
