Zum Inhalt springen
MAnFred

Die Behauptung

Alle Firmen melden Insolvenz an

Kernfakten

  • Unternehmensinsolvenzen 2023: 17.814 (+22,1 % ggü. 2022)

  • Nur 5,7 von 1.000 Unternehmen insolvent (Quote 0,57 %)

  • Insolvenzen 2024 gestiegen auf 21.812, 2025 auf 24.064

  • Zum Vergleich 2003: 39.320 Insolvenzen – historisch deutlich höheres Niveau

  • Über 90 % aller Unternehmensschließungen erfolgen freiwillig, nicht durch Insolvenz

3 Min. Lesezeit

Unternehmensinsolvenzen Deutschland 2000 - 2025
010 Tsd.20 Tsd.30 Tsd.40 Tsd.20002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025

Zeiger oder Finger über das Diagramm bewegen, um Werte abzulesen.

Zahlen anzeigen
Unternehmensinsolvenzen Deutschland 2000 - 2025 – vollständige Werte
KategorieUnternehmensinsolvenzen
200028.325
200132.278
200237.579
200339.320
200439.213
200536.843
200634.137
200729.160
200829.291
200932.687
201031.998
201130.099
201228.297
201325.995
201424.085
201523.101
201621.518
201720.093
201819.302
201918.749
202015.841
202113.993
202214.590
202317.814
202421.812
202524.064

Die Behauptung, dass „alle Firmen Insolvenz anmelden“, ist eine Übertreibung und entspricht nicht der Realität. Zwar ist in Deutschland ein Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen, jedoch betrifft dies nur einen kleinen Teil der Unternehmen.

Laut dem Statistischen Bundesamt stieg die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen im Dezember 2024 um 13,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Für das gesamte Jahr 2024 ergibt sich eine Zunahme um 16,8 % im Vergleich zu 2023.

Zahlen zu Insolvenzen

Im Oktober 2024 wurden 2.012 Unternehmensinsolvenzen gemeldet, was einem Anstieg von 35,9 % gegenüber Oktober 2023 entspricht. Die Forderungen der Gläubiger beliefen sich dabei auf rund 3,8 Milliarden Euro, während sie im Vorjahresmonat bei etwa 1,6 Milliarden Euro lagen.

Trotz dieses Anstiegs bleibt die Anzahl der Insolvenzen im historischen Vergleich auf einem niedrigen Niveau. Im Jahr 2023 meldeten 17.814 Unternehmen Insolvenz an, was einem Anstieg von 22,1 % gegenüber 2022 entspricht. Dennoch gerieten nur 5,7 von 1.000 Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit – das entspricht einer Quote von gerade einmal 0,57%.

Besonders betroffen sind Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen, das Baugewerbe und der Verkehrssektor. Dennoch stellen Insolvenzen weiterhin eine relativ seltene Form der Unternehmensschließung dar – über 90 % aller Schließungen erfolgen aus eigenem Antrieb.

Ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland Schwankungen unterliegt. So wurden im Jahr 2010 deutlich mehr Insolvenzen verzeichnet als in den Jahren danach. Die aktuellen Zahlen liegen trotz des jüngsten Anstiegs weiterhin unter den Höchstständen früherer Jahre.

Mediale Berichterstattung und Wahrnehmung

Die mediale Berichterstattung über Insolvenzen kann den Eindruck erwecken, dass massenhaft Unternehmen schließen und die Wirtschaft vor dem Kollaps steht. Oft werden prominente Fälle – etwa große Handelsketten oder Automobilzulieferer – ausführlich thematisiert, während die Gesamtentwicklung weniger Beachtung findet. Dies verzerrt die Wahrnehmung, da Insolvenzen zwar zunehmen, aber im historischen Vergleich weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau liegen. Ein differenzierter Blick auf die Zahlen und Ursachen hilft, Panikmache zu vermeiden und die wirtschaftliche Lage realistisch einzuschätzen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zwar ein Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen ist, jedoch keineswegs „alle Firmen“ betroffen sind. Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland operiert weiterhin stabil. Der aktuelle Anstieg ist zudem nicht allein auf politische Entscheidungen zurückzuführen, sondern steht im Zusammenhang mit mehreren globalen und strukturellen Faktoren.

Dazu zählen insbesondere die wirtschaftlichen Auswirkungen von Krisen wie dem Ukraine-Krieg und den Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Zudem hat die deutsche Automobilindustrie – eine Schlüsselbranche der Wirtschaft – den Umstieg auf Elektromobilität lange hinausgezögert. Viele Zuliefererbetriebe geraten dadurch in Schwierigkeiten, weil ihre Geschäftsmodelle stark auf Verbrennungsmotoren ausgerichtet waren. Diese strukturellen Herausforderungen verstärken den Druck auf Unternehmen und erklären einen Teil der steigenden Insolvenzzahlen.

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland zeigt eine deutliche Korrelation zu den konjunkturellen Zyklen, wobei in Krisenzeiten, wie etwa während der Finanzkrise 2008/2009, ein signifikanter Anstieg zu beobachten war, während sich in wirtschaftlichen Erholungsphasen wieder ein Rückgang einstellt. In jüngerer Zeit, insbesondere im Zuge der Corona-Pandemie, haben wirtschaftliche Unsicherheiten und branchenspezifische Herausforderungen zu leichten Anstiegen geführt, wobei staatliche Unterstützungsmaßnahmen in vielen Bereichen einen größeren Anstieg verhindern konnten.

Vor 20 Jahren lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland noch fast doppelt so hoch, was auf eine insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen hindeutet. Dennoch sorgt die mediale Berichterstattung über steigende Insolvenzzahlen in den letzten Jahren oft für den Eindruck einer akuten Wirtschaftskrise, obwohl das aktuelle Niveau historisch betrachtet vergleichsweise moderat ist und vor allem von strukturellen Veränderungen sowie konjunkturellen Schwankungen beeinflusst wird.

3 Quellen

  1. destatis.de/DE/Themen/Branchen-Untern…olvenzen/Tabellen/lrins01.html

    Die Seite des Statistischen Bundesamtes bietet aktuelle und historische Daten zu Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.

  2. ifm-bonn.org/statistiken/gruendungen-…sungen/unternehmensinsolvenzen

    Laut IfM Bonn unterliegen Unternehmensinsolvenzen langfristigen Schwankungen – während sie 2003 bei über 39.000 lagen, waren es 2023 nur 17.814, trotz des jüngsten Anstiegs.

  3. creditreform.de/aktuelles-wissen/pres…enzen-in-deutschland-jahr-2025

    Zahlen zu Insolvenzen im Jahr 2025 in Deutschland.

Autor: MAnFred

Veröffentlicht am 4. August 2026

TeilenWhatsAppFacebookXE-Mail