Steigert Migration die Kriminalität? – Ein datenbasierter Blick
Kernfakten
ifo-Studie (Adema/Alipour, Februar 2025) analysiert PKS-Daten 2018–2023 auf Kreisebene
2023: 57 Tatverdächtige pro 1.000 ausländische Einwohner vs. 19 pro 1.000 deutsche Einwohner
Nach Kontrolle für Jahres-/Kreis-Fixeffekte: kein signifikanter Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Kriminalitätsrate mehr feststellbar
Erklärungsfaktoren: höhere Präsenz in Ballungsräumen, jüngere Altersstruktur, höherer Männeranteil
Einordnung der Studie: Migration hat keinen kausalen Effekt auf lokale Kriminalität; Überrepräsentation erklärt sich durch regionale/demografische Faktoren
3 Min. Lesezeit
Die Frage, ob Migration zu mehr Kriminalität führt, wird immer wieder laut politischer Debatten aufgeworfen. Ein aktueller Bericht des ifo Instituts, verfasst von Joop Adema und Jean-Victor Alipour und veröffentlicht im ifo Schnelldienst digital (18. Februar 2025), liefert eine umfassende Analyse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) der Jahre 2018 bis 2023. Dabei wird untersucht, inwiefern der Anteil ausländischer Einwohner mit der lokalen Kriminalitätsrate zusammenhängt und ob ein kausaler Effekt von Migration auf das Straftatgeschehen vorliegt.
Überrepräsentation in der Kriminalstatistik
Die PKS weist, ohne Aufenthaltsverstöße zu berücksichtigen, eine deutliche Überrepräsentation von Ausländern als Tatverdächtige aus. Im Jahr 2023 kamen pro 1.000 ausländliche Einwohner durchschnittlich 57 Tatverdächtige im Vergleich zu 19 pro 1.000 deutschen Einwohnern vor – selbst nach Ausschluss von Verdächtigen ohne Wohnsitz in Deutschland bleibt die Rate fast dreimal so hoch. Dieser Befund führt in politischen Debatten immer wieder zu der Annahme, dass Migration automatisch mit einer höheren Kriminalitätsneigung einhergeht.
Demografie und regionale Faktoren
Die Autoren weisen darauf hin, dass die Überrepräsentation in der PKS vor allem durch allgemeine, von der Nationalität unabhängige Faktoren bedingt ist. So leben Migranten häufiger in Ballungsräumen und kriminalitätsbelasteten Regionen. Die Daten zeigen, dass in Kreisen mit einem höheren Anteil ausländischer Einwohner auch die Kriminalitätsraten unter deutschen Tatverdächtigen steigen – was auf die spezifischen regionalen Rahmenbedingungen hinweist. Außerdem haben Ausländer im Durchschnitt ein deutlich jüngeres Alter und einen höheren Männeranteil als die deutsche Bevölkerung, was als bekannter Risikofaktor für Straftaten gilt. Diese demografischen Unterschiede erklären einen Teil des statistischen Zusammenhangs, ohne dass eine höhere kriminelle Neigung der Migranten an sich angenommen werden muss.
Längsschnittanalyse und Kontrolleffekte
Um den kausalen Effekt des Ausländeranteils auf die lokale Kriminalitätsrate zu überprüfen, wird eine Längsschnittanalyse über den Zeitraum 2018 bis 2023 durchgeführt. Durch den Einsatz von fixen Effekten für Jahre und Kreise werden zeitkonstante regionale Unterschiede und demografische Faktoren kontrolliert. Die Ergebnisse zeigen, dass nach dieser Bereinigung kein signifikanter Zusammenhang zwischen Veränderungen im lokalen Ausländeranteil und der Kriminalitätsrate feststellbar ist. Für die Gesamtkriminalität sowie für einzelne Deliktkategorien – mit Ausnahme einiger geringfügiger Effekte bei Sachbeschädigungen – sinken die Koeffizienten auf nahezu null oder sogar in den negativen Bereich. Dies verdeutlicht, dass ein höherer Anteil ausländischer Einwohner nicht zu einer Zunahme der lokalen Kriminalität führt, sondern die ursprüngliche Korrelation durch ortsspezifische Faktoren erklärbar ist.
Vergleich mit internationaler Forschung und politische Implikationen
Die Ergebnisse des ifo-Instituts decken sich mit internationalen Befunden: Mehrere Studien aus unterschiedlichen Ländern bestätigen, dass (Flucht-)Migration keinen systematischen Einfluss auf die Kriminalitätsrate im Aufnahmeland hat. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die öffentliche Wahrnehmung häufig durch Medienberichte und politische Rhetorik verzerrt wird. Fehlwahrnehmungen – etwa die Überschätzung der Zahl ausländischer Straftäter oder der Einfluss von sogenannten „Aufenthaltsverstößen“ – führen zu einem Alarmismus, der nicht durch die Daten gestützt wird. Politisch sind die Ergebnisse von großer Bedeutung, da sie zeigen, dass Maßnahmen zur Förderung der Integration und zur Verbesserung der Lebensbedingungen in kriminalitätsbelasteten Regionen vorrangig sein sollten, anstatt pauschal Zuwanderung als Sicherheitsrisiko zu deuten.
Fazit
Die Analyse des ifo-Instituts zeigt, dass die Überrepräsentation von Ausländern in der PKS vor allem durch regionale und demografische Faktoren bedingt ist. Eine Erhöhung des Ausländeranteils führt – unter Berücksichtigung dieser Einflussgrößen – nicht zu einer Steigerung der lokalen Kriminalitätsrate. Vielmehr unterstreichen die Ergebnisse, dass Migration an sich keinen kausalen Einfluss auf Kriminalität hat, sondern dass strukturelle und ortsspezifische Bedingungen die entscheidende Rolle spielen.
3 Quellen
- ifo.de/publikationen/2025/aufsatz-zei…itaet-ein-datenbasierter-blick
Bericht des ifo – Instituts über die Frage, on mehr Migration zu mehr Kriminalität führt.
- bka.de/DE/AktuelleInformationen/Stati…stik/PKS2023/pks2023_node.html
Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2023 (Stand: April 2024, V1.0) des Bundeskriminalamts.
- tagesschau.de/inland/gesellschaft/kriminalitaet-migration-100.html
Bericht der Tagesschau zur Studie des ifo – Instituts.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
