Migration: Schengener Übereinkommen
Kernfakten
Unterzeichnet 1985 in Schengen, in Kraft seit 1995
Heute 27 Länder ohne Binnengrenzkontrollen im Schengen-Raum
Einreise über EU-Außengrenze macht das Ersteinreiseland asylrechtlich zuständig (Verknüpfung zu Dublin)
Ungleiche Belastung von Grenzstaaten wie Griechenland, Italien, Spanien
Flüchtlingskrise 2015: einige Staaten führten temporäre Grenzkontrollen wieder ein
3 Min. Lesezeit
Das Schengener Übereinkommen ist ein fundamentaler Bestandteil der europäischen Integration und des freien Personenverkehrs innerhalb der Europäischen Union (EU). Es wurde 1985 in der luxemburgischen Stadt Schengen unterzeichnet und hat seitdem die Bewegungsfreiheit von Bürgern und Reisenden in den Mitgliedstaaten erheblich verändert. Das Schengener Abkommen erlaubt es Bürgern der teilnehmenden Länder, sich ohne Grenzkontrollen innerhalb eines gemeinsamen Raumes zu bewegen.
Hintergrund und Entstehung des Schengener Abkommens
Das Schengener Übereinkommen wurde als Reaktion auf die zunehmende Globalisierung und den Wunsch nach einem offenen Europa initiiert. Es trat 1995 in Kraft und schuf den sogenannten Schengen-Raum, in dem 27 europäische Länder (einschließlich fast aller EU-Staaten) heute die Kontrolle an ihren inneren Grenzen abgeschafft haben. Die Idee war, dass die Abschaffung von Grenzkontrollen zwischen den Mitgliedstaaten die Mobilität innerhalb Europas fördert und die wirtschaftliche Zusammenarbeit und kulturellen Austausch erleichtert.
Für die Mitgliedstaaten bedeutet der Schengen-Raum, dass keine regelmäßigen Passkontrollen an den landseitigen und maritimen Grenzen durchgeführt werden, sodass Menschen aus anderen Schengen-Staaten problemlos reisen können. Gleichzeitig verpflichten sich die Mitgliedsstaaten, eine strengere Kontrolle an ihren Außengrenzen durchzuführen und zusammenzuarbeiten, um illegale Migration zu bekämpfen und den Schutz der Außengrenzen zu gewährleisten.
Schengen und Migration
Im Hinblick auf Migration hat das Schengener Abkommen weitreichende Folgen. Einerseits fördert es den freien Verkehr von Bürgern innerhalb des Raums, was auch den Austausch von Arbeitskräften, Studenten und Touristen erleichtert. Andererseits hat das Fehlen von Grenzkontrollen auch Auswirkungen auf den Umgang mit Migranten und Flüchtlingen.
Ein zentrales Element des Schengener Abkommens ist, dass Menschen, die über die Außengrenzen des Schengen-Raums in die EU einreisen, nur einmal kontrolliert werden müssen. Nach ihrer Einreise können sie sich ohne weitere Kontrollen im gesamten Schengen-Raum bewegen. Dies erleichtert sowohl den Reisen als auch die Migration innerhalb Europas. Für Migranten, die Asyl suchen, hat dies jedoch zur Folge, dass der erste Staat, den sie betreten, für die Durchführung des Asylverfahrens verantwortlich ist – eine Regelung, die in der Dublin-Verordnung festgelegt ist.
Diese Regelung führte zu einer ungleichen Verteilung von Asylsuchenden, da Länder wie Griechenland, Italien und Spanien, die geografisch näher an den Außengrenzen der EU liegen, einen überproportionalen Anteil an Asylbewerbern aufnehmen mussten.
Herausforderungen und Kritik
Das Schengen-Abkommen hat sich als erfolgreich in der Förderung des freien Personenverkehrs erwiesen, jedoch gibt es auch erhebliche Herausforderungen. Besonders die Migration und Flüchtlingskrisen der letzten Jahre haben das Schengen-System auf die Probe gestellt. Bei der Flüchtlingskrise 2015 beispielsweise begannen einige Staaten, temporäre Grenzkontrollen wieder einzuführen, um die Zahl der ankommenden Migranten zu begrenzen und ihre nationale Sicherheit zu gewährleisten. Diese Maßnahmen haben zu Spannungen innerhalb der EU geführt und Fragen zur Stabilität des Schengen-Systems aufgeworfen.
Darüber hinaus kritisieren viele Menschenrechtsorganisationen die Praxis der sogenannten „Abschottungspolitik“ an den Außengrenzen, die im Namen des Schengen-Abkommens verstärkt wurde. Auch die Rückführung von Migranten an den Außengrenzen, oft unter Verstoß gegen das Völkerrecht, wird zunehmend infrage gestellt.
Fazit
Das Schengener Übereinkommen hat die europäische Integration und den freien Personenverkehr innerhalb Europas stark gefördert. Dennoch stehen sowohl der Schengen-Raum als auch die europäische Migrationspolitik vor Herausforderungen. Die Balance zwischen offenen Grenzen und der Bekämpfung illegaler Migration, gepaart mit der Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards, bleibt eine zentrale Frage der Zukunft des Schengen-Raums.
2 Quellen
- bamf.de/DE/Themen/MigrationAufenthalt…itaetEU/mobilitaeteu-node.html
Die EU-Mobilitätsrichtlinien ermöglichen Drittstaatsangehörigen, unter bestimmten Bedingungen innerhalb der EU zu arbeiten und zu leben.
- bpb.de/themen/migration-integration/k…spolitik-eine-kurze-geschichte
Der Artikel der bpb beleuchtet die komplexen und widersprüchlichen Aspekte der EU-Migrationspolitik, insbesondere im Hinblick auf die Schengen- und Dublin-Abkommen.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
