Die Behauptung
Die Kultur und Religion der Ausländer passt nicht zu uns
Kernfakten
2023 (Destatis): ca. 28 % der Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund
BAMF: ca. 5,5 Mio. Menschen (ca. 6,6 % der Bevölkerung) gehören dem Islam an
SVR: rund 80 % der Muslime in Deutschland sehen sich als Teil der Gesellschaft
Historisches Muster: polnische, italienische, türkische Zuwanderer galten früher ebenfalls als „fremd“
Studien: Einfluss traditioneller Geschlechterrollen sinkt in 2./3. Migranten-Generation deutlich
2 Min. Lesezeit
Die Behauptung, dass die Kultur und Religion von Migranten nicht zur deutschen Gesellschaft passt, ist weit verbreitet. Doch was bedeutet „passen“ eigentlich? Gesellschaften verändern sich ständig, und kulturelle Vielfalt ist historisch gesehen eher die Regel als die Ausnahme. Ein Blick auf die Fakten zeigt, dass kulturelle Unterschiede zwar existieren, Integration aber oft erfolgreicher verläuft, als es in der öffentlichen Debatte erscheint.
Kulturelle Vielfalt in Deutschland – eine historische Konstante
Deutschland war schon immer ein Einwanderungsland, auch wenn dies lange nicht offiziell anerkannt wurde. Bereits im 19. Jahrhundert kamen polnische Arbeitskräfte ins Ruhrgebiet, im 20. Jahrhundert folgten italienische und türkische „Gastarbeiter“. Ihre Kulturen und Religionen galten damals als fremd – heute sind sie selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft.
Laut dem Statistischen Bundesamt hatten 2023 etwa 28 % der Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Das zeigt, dass kulturelle Vielfalt längst Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens ist.
Religion und gesellschaftliche Werte – Konflikt oder Anpassung?
Ein oft diskutierter Punkt ist die Religion. Während das Christentum historisch prägend für Deutschland war, sind durch Migration auch andere Religionen, insbesondere der Islam, stärker vertreten. Laut einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gehören etwa 5,5 Millionen Menschen in Deutschland dem Islam an, das sind ca. 6,6 % der Bevölkerung.
Trotz religiöser Unterschiede zeigen Untersuchungen, dass sich viele muslimische Migranten gut in die Gesellschaft einfügen. Laut dem Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) sehen sich rund 80 % der Muslime in Deutschland als Teil der Gesellschaft. Zudem zeigen Langzeitstudien, dass sich Werte und Einstellungen von Migranten mit der Zeit anpassen – etwa in Bezug auf Demokratie, Gleichberechtigung und individuelle Freiheiten.
Kulturelle Unterschiede und Integration
Es gibt kulturelle Unterschiede zwischen Migranten und der Mehrheitsgesellschaft – etwa bei Familienstrukturen, Geschlechterrollen oder gesellschaftlichen Normen. Studien zeigen jedoch, dass sich diese Unterschiede mit zunehmender Aufenthaltsdauer oft angleichen. Beispielsweise sinkt der Einfluss traditioneller Geschlechterrollen bei Migrantenfamilien in der zweiten und dritten Generation erheblich.
Integration ist zudem keine Einbahnstraße: Gesellschaften verändern sich durch Migration. Elemente fremder Kulturen werden oft übernommen – sei es in der Küche, in der Musik oder in anderen Lebensbereichen. Was heute als „fremd“ erscheint, kann morgen schon als normal gelten.
Fazit
Die Behauptung, dass die Kultur und Religion der Migranten nicht zu Deutschland passt, ist eine Verallgemeinerung. Es gibt Unterschiede, aber auch Anpassungsprozesse. Studien zeigen, dass viele Migranten demokratische Werte teilen und sich mit Deutschland identifizieren. Kulturelle Vielfalt ist kein Hindernis, sondern eine gesellschaftliche Realität, die sich historisch immer wieder bewährt hat.
2 Quellen
- bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2025/…szugehoerigkeit.html?nn=282388
Laut BAMF-Analyse gehören rund 6,6 % der Bevölkerung in Deutschland dem Islam an, wobei religiöse Vielfalt zur gesellschaftlichen Realität gehört.
- svr-migration.de/publikationen/barometer/integrationsbarometer-2024
Das SVR-Integrationsbarometer 2024 zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Integration in Deutschland positiv bewertet und interkulturelle Akzeptanz weiter zunimmt.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
