Die Behauptung
Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg
Kernfakten
2022: 25 % der Erwerbstätigen in Deutschland mit Einwanderungsgeschichte
Migranten unverzichtbar in Reinigung (60 %), Gastronomie (46 %), Pflege
IAB-Studie: Zuwanderung senkt untere Löhne höchstens um 1 %
Bertelsmann-Prognose: ohne Migration Arbeitskräfterückgang bis 2040 um ca. 10 %
Einordnung: Arbeitsmarkt kein Nullsummenspiel, These nicht haltbar
2 Min. Lesezeit
Die Vorstellung, dass Migranten Einheimischen systematisch Arbeitsplätze streitig machen, hält sich hartnäckig in der öffentlichen Debatte. Doch eine genaue Betrachtung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Realität zeigt, dass diese Behauptung wenig Substanz hat.
Der Arbeitsmarkt ist kein Nullsummenspiel
Ein weit verbreitetes Missverständnis ist die Annahme, dass es eine feste Anzahl von Arbeitsplätzen gibt und Zuwanderer diese auf Kosten Einheimischer besetzen. In Wahrheit ist der Arbeitsmarkt dynamisch: Zuwanderung kann die Wirtschaft ankurbeln, indem sie die Nachfrage nach Gütern, Dienstleistungen und Wohnraum steigert. Das führt wiederum zu neuen Arbeitsplätzen.
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht dies: Im Jahr 2022 hatten 25 % der Erwerbstätigen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte. In bestimmten Branchen sind Migranten unverzichtbar – etwa in der Reinigung (60 %), der Gastronomie (46 %) oder der Pflege. Ohne ausländische Arbeitskräfte könnten viele Unternehmen ihren Betrieb nicht aufrechterhalten.
Verdrängungseffekte – Realität oder Mythos?
Während in einzelnen Branchen – besonders bei geringer Qualifikation – kurzfristig Konkurrenz entstehen kann, zeigen Studien, dass Zuwanderung kaum negative Effekte auf die Beschäftigung Einheimischer hat. Vielmehr profitieren sie häufig, indem sie in höherqualifizierte Positionen aufsteigen, während Migranten einfache Tätigkeiten übernehmen.
Die Löhne werden dabei nur minimal beeinflusst. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergab, dass durch Migration die Löhne im unteren Segment leicht sinken können (um maximal 1 %), während sie in mittleren und höheren Qualifikationsbereichen sogar steigen. Dies liegt daran, dass Migranten nicht nur Arbeitskräfte sind, sondern auch als Konsumenten zur Wirtschaft beitragen.
Wirtschaftliche Notwendigkeit der Zuwanderung
Deutschland steht vor einem massiven Fachkräftemangel. Laut Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung wird ohne Migration die Zahl der Arbeitskräfte bis 2040 um rund 10 % sinken – von aktuell 46,4 Millionen auf 41,9 Millionen. Um diesen Rückgang zu kompensieren, müssten jährlich laut dem IAB etwa 400.000 internationale Fachkräfte zuwandern. Ohne sie drohen Engpässe in systemrelevanten Berufen und ein langfristiger Schaden für die Wirtschaft.
Herausforderungen bei der Integration
Trotz der positiven Effekte bleibt die Integration in den Arbeitsmarkt eine Herausforderung. Bürokratische Hürden, Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Diskriminierung erschweren es Migranten, eine angemessene Beschäftigung zu finden. Studien zeigen, dass viele gut qualifizierte Zuwanderer in Jobs unterhalb ihres Qualifikationsniveaus arbeiten oder das Land wieder verlassen. Hier gibt es Nachholbedarf, insbesondere bei der Förderung von Sprachkenntnissen und schnelleren Verfahren zur Berufsanerkennung.
Fazit
Die Behauptung, dass Migranten Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen, ist nicht haltbar. Der Arbeitsmarkt ist anpassungsfähig, und Zuwanderung hat überwiegend positive Effekte – sie füllt Lücken in Branchen mit Fachkräftemangel, stabilisiert das Rentensystem und fördert das Wirtschaftswachstum. Entscheidend ist eine effektive Integrationspolitik, um das Potenzial von Migranten optimal zu nutzen.
2 Quellen
- iab.de/presseinfo/nur-mit-einer-jaehr…teangebot-langfristig-konstant
Ohne eine jährliche Nettozuwanderung von 400.000 Personen wird laut dem Institut für Arbeitsmarkt– und Berufsforschung das Arbeitskräfteangebot in Deutschland langfristig sinken.
- svr-migration.de/publikationen/jahresgutachten/2024
Das SVR-Jahresgutachten 2024 analysiert aktuelle Herausforderungen und Chancen der Migration sowie Maßnahmen zur besseren Integration in Deutschland.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
