Der „Nazi-Kiez“ in Dortmund-Dorstfeld: Aktuelle Entwicklungen und Rückgang rechtsextremer Aktivitäten
Kernfakten
Dortmund-Dorstfeld galt jahrelang als „Nazi-Kiez“
Hochburg der Szene um die Partei „Die Rechte“
Rückgang durch Abwanderung führender Kader nach Halberstadt
Tod von Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt 2021
Reste in der Thusneldastraße: „Die Heimat“ (ehem. NPD), Verlag „Sturmzeichen“
2 Min. Lesezeit
Dortmund, insbesondere der Stadtteil Dorstfeld, galt über Jahre hinweg als eine Hochburg der rechtsextremen Szene in Deutschland. Der sogenannte „Nazi-Kiez“ war bekannt für die Präsenz von Neonazis, die das Stadtbild prägten und ihre Ideologie offen zur Schau stellten. In den letzten Jahren haben sich jedoch signifikante Veränderungen ergeben, die auf einen Rückgang der rechtsextremen Aktivitäten in diesem Gebiet hindeuten.
Die Entstehung der rechtsextremen Szene in Dortmund
Dortmund war bereits in den 1990er-Jahren für eine aktive Neonazi-Szene bekannt, doch ab den 2000er-Jahren entwickelte sich Dorstfeld zu einem regelrechten Rückzugsort für die extreme Rechte. Besonders die Gruppe „Die Rechte“, eine Nachfolgeorganisation des verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“, etablierte sich in der Stadt und nutzte Dorstfeld als ihre Basis.
Rechtsextreme Aktivisten prägten das Stadtbild, indem sie einschüchternde Propaganda verbreiteten, Immobilien besetzten und Straßen mit einschlägigen Symbolen markierten. Vor allem durch Gewalt gegen politische Gegner, Migranten und Andersdenkende machte die Szene auf sich aufmerksam. Zahlreiche Demonstrationen und Aufmärsche mit überregionaler Beteiligung fanden regelmäßig in Dortmund statt, oft begleitet von Gegendemonstrationen und massivem Polizeieinsatz.
Symbolik und Dominanz der Szene
In Dorstfeld hängten Neonazis lange Zeit einschüchternde Transparente an Häuser, darunter Aufschriften wie „Nazi-Kiez Dortmund“, um ihre territorialen Ansprüche zu verdeutlichen. Diese Machtdemonstrationen sollten eine Drohkulisse aufbauen und den Stadtteil als „No-Go-Area“ für politische Gegner und Migranten etablieren.
Die Szene war zudem eng vernetzt mit anderen extrem rechten Gruppen in Deutschland und Europa. Dortmund diente als Treffpunkt für Neonazi-Konzerte, Kundgebungen und Kampfsportveranstaltungen, die der Radikalisierung junger Anhänger dienten. Besonders auffällig war die enge Verzahnung zwischen der Neonazi-Szene und rechtsextremen Fußball-Hooligans, die ebenfalls zur Eskalation der Gewalt beitrug.
Abwanderung führender Neonazi-Kader
Ein wesentlicher Faktor für den Rückgang der Szene in Dortmund ist die Abwanderung prominenter Neonazi-Aktivisten in andere Regionen Deutschlands. So sind führende Köpfe der Dortmunder Neonazi-Szene nach Ostdeutschland umgezogen, insbesondere nach Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Diese Verlagerung hat zu einer Schwächung der rechtsextremen Strukturen in Dortmund geführt.
Polizeiliche Maßnahmen und zivilgesellschaftlicher Widerstand
Die Dortmunder Polizei hat in den vergangenen Jahren ihre Strategie im Umgang mit der rechtsextremen Szene verschärft. Durch konsequentes Einschreiten und die Einrichtung einer Sonderkommission wurden den Neonazis zunehmend die Handlungsspielräume genommen. Zudem hat der Tod von Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt im Jahr 2021, einer Schlüsselfigur der Szene, zu einer weiteren Destabilisierung geführt. Parallel dazu leistete die Zivilgesellschaft durch Initiativen und Aufklärungsarbeit kontinuierlichen Widerstand gegen rechtsextreme Umtriebe.
Aktuelle Situation und verbleibende Strukturen
Trotz des Rückgangs sind rechtsextreme Strukturen in Dortmund nicht vollständig verschwunden. Einige Immobilien in der Thusneldastraße in Dorstfeld dienen weiterhin als Treffpunkte für die Szene. Dort befinden sich unter anderem der Sitz der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) sowie der Verlag „Sturmzeichen“. Zudem finden dort Veranstaltungen wie „Lagerverkäufe“ und Treffen der „Heimatjugend Dortmund“ statt.
Fazit
Der Rückgang der rechtsextremen Aktivitäten in Dortmund-Dorstfeld zeigt, dass konsequente polizeiliche Maßnahmen, zivilgesellschaftliches Engagement und die Abwanderung führender Köpfe zu einer Schwächung der Szene führen können. Dennoch bleibt es wichtig, wachsam zu bleiben und verbleibende Strukturen kritisch zu beobachten, um einem möglichen Wiedererstarken rechtsextremer Aktivitäten entgegenzuwirken.
2 Quellen
- endstation-rechts.de/news/dortmund-fr…extreme-hochburg-im-niedergang
Endstation Rechts beschreibt den Niedergang der rechtsextremen Szene in Dortmund-Dorstfeld, insbesondere durch polizeiliche Maßnahmen, zivilgesellschaftlichen Widerstand und die Abwanderung führender Neonazi- Kader.
- taz.de/Rechtsextremismus-im-Ruhrgebiet/!5595208
Der Artikel der taz von 2019 beleuchtet die ehemalige Präsenz der Neonazi-Partei Die Rechte im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld, wo ein ganzer Straßenzug von Rechtsextremen dominiert wurde.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
