Die Behauptung
Lügenpresse
Kernfakten
Begriff mit historischen Wurzeln im Ersten Weltkrieg, heute vor allem von Rechtsextremen genutzt
Ziel: Vertrauen in seriöse Medien untergraben, alternative rechte Quellen als „Wahrheit“ positionieren
Rechte Medien wie „Compact“ oder „PI-News“ werden trotz eigener Falschinformationen als Alternative vertraut
Verbreitung stark über soziale Medien, koordinierte Aktionen wie „blaue Herzen“ unter Beiträgen
Untergräbt langfristig Vertrauen in demokratische Institutionen und öffentliche Debatte
2 Min. Lesezeit
Die Begriffsprägung „Lügenpresse“ ist eine zentrale Verschwörungstheorie, die besonders von rechtsextremen Gruppen und deren Anhängern verwendet wird, um den Mainstream-Medien zu unterstellen, absichtlich falsche Informationen zu verbreiten oder zu unterdrücken. Die Verwendung dieses Begriffs zielt darauf ab, das Vertrauen in seriöse, unabhängige Medien zu untergraben und eine allgemeine Misstrauenskultur zu fördern. Der Begriff hat historische Wurzeln im Deutschland des Ersten Weltkriegs, wurde aber im modernen Kontext insbesondere durch rechtsextreme Gruppen und Verschwörungstheoretiker in den letzten Jahren wieder verstärkt genutzt.
Verwendung im rechtsextremen Kontext
Rechtsextreme Gruppen behaupten, dass die Medien von einer vermeintlichen „Elitenverschwörung“ kontrolliert werden, die die „wahren“ Informationen unterdrückt und eine manipulierte Realität verbreitet. Ziel dieser Rhetorik ist es, das Vertrauen in etablierte Quellen zu destabilisieren und die Wahrnehmung zu erzeugen, dass nur die alternative, oft rechtsextreme oder verschwörungsideologische, Medienlandschaft die „Wahrheit“ verbreitet.
Verbreitung über soziale Medien und Populismus
Besonders durch soziale Medien und populistische Bewegungen wird der Begriff „Lügenpresse“ weiter verbreitet. In sozialen Netzwerken finden sich viele Nutzer, die den Mainstream-Medien vorwerfen, nicht objektiv zu berichten, und sich stattdessen auf Quellen stützen, die diese Narrative stützen. Hier wird oft der Begriff „Lügenpresse“ verwendet, um jegliche Kritik an den eigenen Überzeugungen oder die Darstellung von kontroversen Themen als parteiisch und unzuverlässig darzustellen.
Ironischer Medienkonsum: Vertrauen in rechte Desinformation
Während Rechtsextreme etablierte Medien als „Lügenpresse“ diffamieren, vertrauen sie oft fragwürdigen rechten Medien, die gezielt Falschinformationen verbreiten. Portale wie „Compact“ – dessen Magazin und Organisation das Bundesinnenministerium im Juli 2024 wegen Verbreitung rechtsextremer, verfassungsfeindlicher Inhalte verboten hat (das Verbot wurde vom Bundesverwaltungsgericht zunächst vorläufig ausgesetzt, das Hauptsacheverfahren war zuletzt noch nicht abgeschlossen) – oder „PI-News“ präsentieren sich als „alternative“ Nachrichtenquellen, gelten bei Medienbeobachtern und Verfassungsschutz jedoch als Verbreiter von Verschwörungstheorien und propagandistischen Inhalten ohne journalistische Standards. Diese selektive Mediennutzung verstärkt ideologische Überzeugungen und erschwert eine kritische Auseinandersetzung mit Fakten.
Gefährdung der Demokratie
Die Verwendung des Begriffs „Lügenpresse“ hat nicht nur Auswirkungen auf die Medienlandschaft, sondern auch auf die Gesellschaft als Ganzes. Wenn immer mehr Menschen den Medien nicht mehr vertrauen, wird es schwieriger, eine fundierte öffentliche Diskussion zu führen und demokratische Prozesse zu unterstützen. Dies kann langfristig das Vertrauen in die demokratischen Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden.
Antwort der Medien und Gesellschaft
In Reaktion auf die Verbreitung der „Lügenpresse“-Rhetorik haben viele Medienorganisationen und Journalisten den Dialog über ihre Arbeitsweise verstärkt und sich für mehr Transparenz und Unabhängigkeit eingesetzt. Es wurde auch verstärkt darauf hingewiesen, dass der Begriff „Lügenpresse“ eine Verzerrung der journalistischen Ethik darstellt und eine gefährliche Entmündigung der Öffentlichkeit fördert.
Fazit
Die Verwendung des Begriffs „Lügenpresse“ durch rechtsextreme Gruppen ist eine bewusste Strategie, um das Vertrauen in unabhängige, seriöse Medien zu untergraben und eine alternative Realität zu schaffen, die ihre eigenen Ideologien stützt. Es ist wichtig, diese Rhetorik zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, wie sie die Gesellschaft und die demokratischen Werte bedroht.
3 Quellen
- slpb.de/themen/gesellschaft/politisch…ring-dich-ein/wtf-luegenpresse
Die Seite der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung erklärt, wie der Begriff „Lügenpresse“ als eine Verschwörungstheorie verwendet wird, um das Vertrauen in die Medien zu untergraben und eine alternative, verzerrte Sichtweise zu fördern.
- amadeu-antonio-stiftung.de/die-luegen…und-meinungsfreiheit-ab-117097
Die Amadeu Antonio Stiftung beschreibt, wie die AfD den Begriff „Lügenpresse“ verwendet, um Medien und Meinungsfreiheit abzuwerten und das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben.
- bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2024/07/exekutive1.html
Die Pressemitteilung des Bundesministeriums des Innern zum Verbot der COMPACT-Magazin GmbH im Juli 2024 wegen Verstoßes gegen die verfassungsmäßige Ordnung; das Bundesverwaltungsgericht setzte den Vollzug im Eilverfahren vorläufig aus, das Hauptsacheverfahren war zuletzt noch anhängig.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
