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MAnFred

Die Behauptung

Kommunismus hat 100 Millionen Menschen getötet

Kernfakten

  • Zahl stammt aus „Schwarzbuch des Kommunismus“ (1997, Hrsg. Stéphane Courtois), Summe ca. 94 Mio.

  • Aufschlüsselung u.a.: Sowjetunion 20 Mio., China 65 Mio., Nordkorea/Kambodscha je 2 Mio.

  • Mitautoren Werth und Margolin distanzierten sich, warfen Courtois inflationäre Darstellung vor

  • Andere Schätzungen: Rosefielde ca. 60 Mio., Valentino 21-70 Mio. (je nach Kriterien)

  • Kritik: Hungersnöte teils pauschal dem Kommunismus zugerechnet, obwohl auch klimatische/wirtschaftliche Faktoren wirkten

3 Min. Lesezeit

Die Aussage, dass der Kommunismus für den Tod von 100 Millionen Menschen verantwortlich sei, wird häufig in politischen Debatten verwendet, um kommunistische Ideologien zu diskreditieren. Diese Zahl stammt aus dem Schwarzbuch des Kommunismus (Originaltitel: Le Livre noir du communisme), das 1997 unter der Leitung des französischen Historikers Stéphane Courtois veröffentlicht wurde. Eine genaue Betrachtung dieser Zahl und ihrer Herkunft zeigt jedoch, dass sie wissenschaftlich umstritten ist und methodische Schwächen aufweist.

Herkunft der Zahl

In der Einleitung des Schwarzbuchs listet Courtois Schätzungen der Opferzahlen kommunistischer Regime auf, die sich insgesamt auf etwa 94 Millionen summieren:

Sowjetunion: 20 Millionen

Volksrepublik China: 65 Millionen

Vietnam: 1 Million

Nordkorea: 2 Millionen

Kambodscha: 2 Millionen

Osteuropa: 1 Million

Lateinamerika: 150.000

Afrika: 1,7 Millionen

Afghanistan: 1,5 Millionen

Internationale kommunistische Bewegungen und Parteien ohne Regierungsmacht: ca. 10.000

Diese Zahlen dienen als Grundlage für die oft zitierte Gesamtzahl von 100 Millionen Opfern.

Fragwürdige Methodik und fehlende Belege

Das Schwarzbuch des Kommunismus wurde von mehreren Historikern verfasst, die sich bereits während der Arbeit an dem Buch uneinig über die Zahlen und deren Interpretation waren. Courtois selbst wurde von seinen Co-Autoren kritisiert, weil er Opferzahlen inflationär dargestellt und politisch motivierte Vergleiche mit dem Nationalsozialismus gezogen hatte. Dabei wurden nicht nur direkte politische Repressionen und Verbrechen in kommunistischen Staaten erfasst, sondern auch Hungersnöte und Kriege pauschal dem „Kommunismus“ zugerechnet, selbst wenn diese durch äußere Faktoren oder geopolitische Konstellationen beeinflusst wurden.

Kritik an den Schätzungen

Die Methodik und die Genauigkeit dieser Schätzungen wurden von verschiedenen Historikern und Wissenschaftlern kritisiert:

Nicolas Werth und Jean-Louis Margolin, Mitautoren des Schwarzbuchs, distanzierten sich von Courtois' Einleitung und warfen ihm vor, Opferzahlen inflationär dargestellt zu haben, um eine symbolische Zahl von 100 Millionen zu erreichen.

Steven Rosefielde, ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, schätzt die Zahl der Opfer kommunistischer Regime auf etwa 60 Millionen, weist jedoch darauf hin, dass diese Zahl je nach Definition und Zeitraum variieren kann.

Benjamin Valentino, ein amerikanischer Politikwissenschaftler, gibt an, dass die Zahl der von kommunistischen Regimen getöteten Nichtkombattanten zwischen 21 und 70 Millionen liegt, abhängig von den zugrunde gelegten Kriterien.

J. Arch Getty, ein amerikanischer Historiker, kritisiert, dass die Opferzahlen der Stalin-Ära im Buch willkürlich überhöht wurden.

Michael Parenti, amerikanischer Politologe und Historiker, weist darauf hin, dass die Hungersnöte in der Sowjetunion oder China nicht allein durch kommunistische Politik entstanden seien, sondern auch durch klimatische und wirtschaftliche Faktoren sowie durch westliche Wirtschaftssanktionen verschärft wurden.

Probleme bei der Erfassung der Opferzahlen

Die Ermittlung genauer Opferzahlen ist aus mehreren Gründen schwierig:

Definition von „Opfer“: Einige Schätzungen inkludieren Todesfälle durch Hungersnöte, die durch politische Entscheidungen beeinflusst wurden, während andere nur direkte Tötungen berücksichtigen.

Zuverlässigkeit der Daten: In vielen Fällen sind die verfügbaren Daten lückenhaft oder wurden von den jeweiligen Regimen manipuliert.

Methodische Unterschiede: Verschiedene Studien verwenden unterschiedliche Methoden zur Schätzung der Opferzahlen, was zu erheblichen Schwankungen führt.

Fazit

Die oft zitierte Zahl von 100 Millionen Opfern des Kommunismus basiert auf Schätzungen, die methodisch umstritten und politisch motiviert sind. Eine differenzierte Betrachtung der historischen Ereignisse und eine sorgfältige Analyse der verfügbaren Daten sind notwendig, um ein ausgewogenes Verständnis der Tragödien unter kommunistischen Regimen zu erlangen. Pauschale Zahlen ohne Kontext können irreführend sein und sollten mit Vorsicht verwendet werden.

2 Quellen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Das_Schwarzbuch_des_Kommunismus

    Die Wikipedia-Seite zum Schwarzbuch des Kommunismus beschreibt das umstrittene Werk von Stéphane Courtois und anderen Autoren, das dem Kommunismus weltweit über 100 Millionen Todesopfer zuschreibt. Die Seite thematisiert sowohl den Inhalt als auch die wissenschaftliche Kritik, insbesondere die methodischen Schwächen, ungenaue Schätzungen und die ideologische Verzerrung der Autoren.

  2. rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/99_Zwerenz.pdf

    Der Artikel von Gerhard Zwerenz setzt sich kritisch mit dem Schwarzbuch des Kommunismus auseinander, hinterfragt dessen methodische Schwächen und betont die politische Motivation hinter der Opferzahl von 100 Millionen.

Autor: MAnFred

Veröffentlicht am 4. August 2026

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