Ideologien: Rechtsextremismus: Identitäre Bewegung
Kernfakten
Rechtsextreme, völkisch-nationalistische Bewegung, entstanden Anfang 2000er in Frankreich
Zentrales Narrativ: „Großer Austausch“ durch nicht-europäische Migration
Martin Sellner (geb. 1989) bekanntestes Gesicht im deutschsprachigen Raum, Mitbegründer IB Österreich
2018 wurde Sellner vorübergehend inhaftiert im Zusammenhang mit geplantem Terroranschlag auf Migranten
Wird von Verfassungsschutzbehörden als extremistisch eingestuft
3 Min. Lesezeit
Die Identitäre Bewegung (IB) gilt beim Verfassungsschutz als rechtsextreme, völkisch-nationalistische Bewegung, die in den frühen 2000er Jahren in Frankreich entstand und seitdem auch in vielen anderen europäischen Ländern, darunter Deutschland, aktiv ist. Ihr Hauptanliegen ist die Erhaltung einer vermeintlich „europäischen Identität“ und die Bekämpfung der Migration sowie der multikulturellen Gesellschaft. Die Bewegung erhebt die These, dass Europa in einem „Großen Austausch“ von nicht-europäischen Menschen „überflutet“ werde, was die europäische Kultur und Identität bedrohe. Diese Verschwörungstheorie ist ein zentraler Bestandteil der Ideologie der IB.
Ziele und Ideologie
Die Identitäre Bewegung verfolgt das Ziel, den „Kampf um die kulturelle Identität“ Europas zu gewinnen. Sie lehnt den Multikulturalismus und die Zuwanderung von Menschen aus dem Nahen Osten, Nordafrika und anderen nicht-europäischen Regionen ab. Die Bewegung setzt sich für eine Rückkehr zu traditionellen, ethnonationalen Werten ein und betont die Notwendigkeit, die europäische „Kultur“ und „Rasse“ zu bewahren. Sie sieht sich als Reaktion auf die zunehmende Globalisierung und die Wahrnehmung, dass westliche Werte zunehmend in Frage gestellt werden.
Die Bewegung sieht sich nicht nur als politische Bewegung, sondern auch als kulturelle und soziale Alternative zu den etablierten politischen Parteien. Sie nutzt gezielt moderne Kommunikationskanäle wie Social Media, um ihre Botschaften an ein jüngeres Publikum zu verbreiten. Besonders in den letzten Jahren wurden provokante Aktionen, wie „Besetzungen“ öffentlicher Plätze oder der „Sturm auf die Festung Europa“, durchgeführt, um Aufmerksamkeit zu erregen und ihre Ideologie öffentlich zu vertreten.
Martin Sellner – Das Gesicht der Identitären Bewegung
Martin Sellner ist das bekannteste Gesicht der Identitären Bewegung in Österreich und eine zentrale Figur der Bewegung im deutschsprachigen Raum. Er wurde 1989 geboren und hat die IB in Österreich maßgeblich mitgeprägt. Sellner war Mitbegründer der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) und ist auch in anderen europäischen Ländern aktiv. Er gilt Verfassungsschutz und Medienberichten zufolge als einer der bekanntesten Rechtsextremisten des Landes und tritt regelmäßig als Sprecher und Influencer der Bewegung auf.
Sellner vertritt offen die Ideologien der IB, insbesondere die Themen der Identitätspolitik und Anti-Migration. Er ist ein ausgeprägter Kritiker der EU, der Einwanderungspolitik und des Multikulturalismus und sieht die europäische Kultur als bedroht an. In seinen öffentlichen Auftritten und YouTube-Videos spricht er oft von der „kulturellen Selbstverteidigung“ Europas und fordert, dass europäische Völker sich gegen die „Invasion“ durch Migranten wehren müssen.
Trotz seines provokativen Auftretens ist Sellner ein geschickter Medienstratege. Er nutzt Social Media und YouTube, um eine breite Anhängerschaft zu gewinnen, vor allem bei jungen Menschen. Dies hat der Bewegung geholfen, sich zu einer wichtigen Stimme im rechtsextremen Spektrum zu etablieren. Sellner hat sich auch international vernetzt und war an verschiedenen rechtsextremen Veranstaltungen beteiligt. Durch seine rhetorischen Fähigkeiten und seine Medienpräsenz hat er der Identitären Bewegung geholfen, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen.
Kontroversen und Verfassungsschutz
Die Identitäre Bewegung und insbesondere Martin Sellner sind immer wieder in Kontroversen geraten. Sellner wurde in Österreich 2018 mit anderen Aktivisten in Zusammenhang mit einem geplanten Terroranschlag auf Migranten in Verbindung gebracht, was zu seiner vorübergehenden Inhaftierung führte; zu einer rechtskräftigen Verurteilung Sellners in diesem Zusammenhang kam es nach verfügbaren Quellen nicht. Des Weiteren wurde Sellner in mehreren europäischen Ländern und bei internationalen Organisationen wie dem Verfassungsschutz beobachtet, der die Identitäre Bewegung als extremistisch einstuft.
Die Bewegung selbst distanziert sich zwar von Gewalt, verfolgt jedoch eine klare anti-demokratische Agenda, die mit den Werten einer offenen Gesellschaft in Konflikt steht. Ihre Rhetorik und Aktivitäten zielen darauf ab, Ressentiments gegenüber Migranten und anderen Minderheiten zu schüren und ein nationales, homogenes Europa zu fördern, das gegen die globalen Entwicklungen und die Diversität kämpft.
Fazit
Die Identitäre Bewegung ist ein klarer Vertreter der modernen rechten Szene in Europa. Durch ihre medienwirksamen Aktionen, ihre provokante Rhetorik und ihre Verbreitung in den sozialen Medien hat sie es geschafft, insbesondere junge Menschen anzusprechen und einen ideologischen Rahmen zu schaffen, der sowohl nationalistische als auch anti-migrantische Vorstellungen vereint. Martin Sellner ist dabei das prägende Gesicht der Bewegung und steht als Symbol für ihre Zielsetzung, die europäische Identität vor einer angeblichen „Zerstörung“ zu bewahren.
Die Identitäre Bewegung wird von Verfassungsschutzbehörden als gefährlich eingestuft, da sie nicht nur eine politische, sondern auch eine kulturelle und gesellschaftliche Agenda verfolgt, die mit den Prinzipien einer offenen Gesellschaft und Demokratie unvereinbar ist.
2 Quellen
- deutschlandfunk.de/rechtsextreme-akte…gung-nationalisten-im-100.html
Der Artikel des Deutschlandfunks beschreibt die Ideologie und die Ziele der Identitären Bewegung, ihre strategischen Methoden sowie die zunehmende Verstrickung ihrer Akteure in rechtsextreme Netzwerke und ihre politischen Aktivitäten.
- bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossi…/miss-erfolge-der-identitaeren
Der Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung beleuchtet die misslungenen Versuche der Identitären Bewegung, ihre Ziele politisch durchzusetzen, sowie die internen und externen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert ist.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
