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MAnFred

Routineeinsatz statt Ausnahme

Kernfakten

  • 2022 wurden laut BVL rund 540 Tonnen Antibiotika an Tierärzt:innen für die Nutztierhaltung abgegeben

  • Das entspricht rund 40 % des Gesamtverbrauchs an Antibiotika in Deutschland

  • Laut Studie im Fachjournal The Lancet sterben weltweit jährlich über 1,27 Mio. Menschen direkt an antibiotikaresistenten Infektionen

  • Prophylaktischer Antibiotikaeinsatz in der EU verboten, aber Schlupflöcher wie Metaphylaxe ermöglichen weiterhin großflächigen Einsatz

  • Antibiotikarückstände und resistente Bakterien gelangen über Gülle in Böden, Gewässer und Pflanzen

2 Min. Lesezeit

In der industriellen Tierhaltung gehören Antibiotika fest zum Alltag. Die oft katastrophalen Haltungsbedingungen – Enge, Stress, hohe Besatzdichten – fördern Krankheiten. Statt die Ursachen zu beheben, wird häufig präventiv behandelt. Zwar ist der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der EU mittlerweile verboten, doch es gibt Schlupflöcher, die den großflächigen Einsatz weiterhin ermöglichen – etwa durch Metaphylaxe (Behandlung ganzer Tiergruppen bei Erkrankung einzelner Tiere).

Deutschland gehört zu den größten Antibiotikaverbrauchern in der EU, was die Tierhaltung betrifft. Im Jahr 2022 wurden laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) rund 540 Tonnen Antibiotika an Tierärzt:innen zur Anwendung in der Nutztierhaltung abgegeben. Das entspricht etwa 40 % des Gesamtverbrauchs von Antibiotika in Deutschland – ein beunruhigend hoher Anteil.

Resistenzen: Die unsichtbare Zeitbombe

Ein gravierendes Problem ist die Entwicklung resistenter Keime. Werden Antibiotika regelmäßig eingesetzt, überleben resistente Bakterien, vermehren sich und verbreiten sich – auch außerhalb der Stallanlagen. Diese sogenannten multiresistenten Keime (z. B. MRSA oder ESBL-bildende Bakterien) gelangen über Gülle auf Felder, in Gewässer oder über tierische Produkte und Arbeitskleidung in die Umwelt und zum Menschen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt eindringlich, dass Antibiotikaresistenzen eine der größten Bedrohungen für die globale Gesundheit darstellen. Bereits jetzt sterben laut einer im Fachjournal The Lancet veröffentlichten Studie weltweit jährlich über 1,27 Millionen Menschen direkt an antibiotikaresistenten Infektionen – mit steigender Tendenz. Viele dieser Resistenzen entstehen im Tierbereich und springen dann auf den Menschen über.

Eintrag in die Umwelt

Ein erheblicher Teil der Antibiotika gelangt nach der Anwendung unverändert über den Tierkot in die Umwelt. So finden sich in Gülle, die auf Äcker ausgebracht wird, Rückstände von Antibiotika sowie resistente Bakterien. Untersuchungen zeigen, dass diese Stoffe in Böden, Grundwasser und sogar in Oberflächengewässern nachweisbar sind.

Einmal in der Umwelt, beeinflussen sie mikrobielle Lebensgemeinschaften, gefährden Biodiversität und fördern die weitere Verbreitung resistenter Gene. Selbst in Pflanzen, die auf belasteten Böden wachsen, lassen sich Antibiotikarückstände nachweisen – mit unbekannten Langzeitfolgen für die menschliche Gesundheit.

Systemfehler Massentierhaltung

Die zentrale Ursache für den massiven Antibiotikaeinsatz liegt im System: Tiere werden nicht artgerecht, sondern auf maximale Effizienz getrimmt gehalten. Es ist ein wirtschaftlich kalkulierter „Verschleißbetrieb“, der nicht nur Tierschutz und Gesundheit gefährdet, sondern auch unsere wichtigsten medizinischen Werkzeuge aufs Spiel setzt.

Besonders besorgniserregend ist der Einsatz sogenannter „Reserveantibiotika“, also Wirkstoffe, die beim Menschen nur in Ausnahmefällen verwendet werden, wenn alle anderen versagen. Auch diese kommen in der Tierhaltung vor – ein hochriskantes Vorgehen, das den letzten Schutzschild der Humanmedizin bedroht.

Was sich ändern muss

Ein konsequentes Umdenken in der Tierhaltung ist notwendig. Dazu gehören:

- Reduktion der Tierbestände

- Stärkere Regulierung des Antibiotikaeinsatzes, auch im Ausland produzierter Futtermittel und Fleischimporte

- Förderung pflanzenbasierter Ernährung, um den Bedarf an tierischen Produkten insgesamt zu senken

Nur durch strukturelle Veränderungen lassen sich sowohl Resistenzentwicklung als auch Umweltbelastung wirksam bekämpfen. Der Preis für Nicht-Handeln wäre enorm – gesundheitlich, ökologisch und wirtschaftlich.

2 Quellen

  1. peta.de/themen/antibiotika-massentierhaltung

    PETA weist darauf hin, dass der massive Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung zur Entstehung multiresistenter Keime führt, die auch auf Fleischprodukten nachweisbar sind.

  2. bvl.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilu…ibiotika_Tiermedizin_2023.html

    Die Pressemitteilung des BVL berichtet, dass die abgegebenen Mengen von Antibiotika in der Tiermedizin 2023 leicht gesunken sind, mit deutlichem Rückgang bei besonders wichtigen Wirkstoffen für die Humanmedizin.

Autor: MAnFred

Veröffentlicht am 4. August 2026

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