Die Behauptung
Deutschland soll wieder in Atomkraft einsteigen
Kernfakten
Beispiel Hinkley Point C (UK): ursprünglich 22–24 Mrd. Pfund veranschlagt, mittlerweile ca. 32 Mrd. Pfund (ca. 50 Mrd. Euro heutiger Geldwert)
Soll nach Fertigstellung ca. 7 % des britischen Strombedarfs decken
Erster Reaktor soll 2031 ans Netz gehen statt geplant 2025
Chinesischer Investor CGN stieg 2022 wegen geopolitischer Spannungen aus dem Projekt aus
Finanzierung über staatlich garantierte Mindeststrompreise, Steuerzahler trägt Kosten mit
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Ein Wiedereinstieg in die Atomkraft würde die Nutzung von Kernenergie zur Stromerzeugung in Deutschland wieder in den Mittelpunkt stellen, nachdem das Land seine Kernkraftwerke bis 2022 abgeschaltet hat. Der Fokus läge darauf, den Energiebedarf durch eine weniger CO₂-intensive Quelle zu decken, während gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert werden soll.
Aktueller Stand der Atomkraft am Beispiel Großbritannien:
Großbritannien verfolgt weiterhin den Ausbau seiner Atomkraftkapazitäten, um seine Klimaziele zu erreichen und die Energieversorgung zu sichern. Ein Beispiel hierfür ist der Bau des Hinkley Point C-Kraftwerks, das als eines der größten Atomkraftprojekte Europas gilt. Ursprünglich war der Bau mit Kosten von etwa 22 bis 24 Milliarden Pfund (ca. 25 bis 28 Milliarden Euro) veranschlagt. Jedoch sind die Kosten mittlerweile auf etwa 30 Milliarden Pfund (ca. 35 Milliarden Euro) gestiegen, wobei bei Fertigstellung mit Kosten von etwa 32 Milliarden Pfund (ca. 37 Milliarden Euro; nach heutigem Geldwert eher ca. 50 Milliarden Euro) gerechnet wird. Trotz dieser Kostensteigerungen wird erwartet, dass das Kraftwerk nach seiner Fertigstellung jährlich etwa 7% des Strombedarfs des Landes decken wird. Das Projekt wird durch langfristige Stromabnahmegarantien der Regierung finanziert, wodurch die Steuerzahler einen Teil der Kosten übernehmen. Der erste von zwei Reaktoren soll voraussichtlich 2031 statt wie geplant 2025 ans Netz gehen.
Der chinesische Investor China General Nuclear Power Corporation (CGN) stieg 2022 aus dem Hinkley Point C Projekt aus, hauptsächlich aufgrund geopolitischer Spannungen und der Verschärfung von Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit chinesischen Investitionen in kritische Infrastruktur des Vereinigten Königreichs.
Kosten und Probleme:
Finanzierung: Der Bau von Atomkraftwerken ist extrem kapitalintensiv. In Großbritannien wird Hinkley Point C mit etwa 32 Milliarden Pfund (ca. 50 Milliarden Euro) veranschlagt. Dies ist weitaus höher als ursprünglich geplant und hat zu öffentlichen Debatten über die Wirtschaftlichkeit von Kernkraft geführt.
Standorte: Der Bau neuer Atomkraftwerke erfordert geeignete Standorte, die sowohl sicher sind als auch den hohen Anforderungen der Industrie entsprechen. In Deutschland ist die Suche nach geeigneten Standorten problematisch, da viele potenzielle Gebiete dicht besiedelt sind und Bürgerproteste befürchtet werden.
Versicherung: Der Betrieb eines Atomkraftwerks erfordert umfassende Versicherungs- und Sicherheitsvorkehrungen. In Großbritannien wird für den Hinkley-Point-Bau ein spezieller Versicherungsschutz gewährleistet, jedoch ist die Absicherung gegen mögliche Unfälle auch dort ein ungelöstes Thema.
Staatliche Subventionen: In Großbritannien wird das Projekt Hinkley Point C durch die Regierung mit garantierten Mindeststrompreisen subventioniert, was bedeutet, dass die Steuerzahler die hohen Kosten tragen. Dies könnte in Deutschland ein ähnliches Modell erfordern, was zu politischen und finanziellen Debatten führen würde.
Atommüll: Die Entsorgung von Atommüll bleibt ein ungelöstes Problem. In Großbritannien gibt es noch keine endgültige Lösung für die sichere Lagerung des hochradioaktiven Abfalls, was die Akzeptanz von Atomkraft in der Bevölkerung erschwert. Deutschland steht vor ähnlichen Herausforderungen, da der Abfall aus den früher betriebenen Atomkraftwerken noch immer nicht vollständig entsorgt wurde.
Gefahren und Herausforderungen:
Neben den finanziellen und logistischen Herausforderungen gibt es auch die Risiken, die mit der Nutzung von Atomenergie verbunden sind. Die Gefahren eines Unfalls, wie sie im Fall von Tschernobyl oder Fukushima auftraten, können schwerwiegende Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben. Auch die zunehmende Bedrohung durch terroristische Anschläge auf kritische Infrastruktur stellt ein zusätzliches Sicherheitsrisiko dar. In Deutschland würde der Wiedereinstieg in die Atomkraft auf erheblichen Widerstand stoßen, sowohl in der Bevölkerung als auch in politischen Kreisen, die die Risiken und ungelösten Probleme wie Atommüll und Entsorgung befürchten.
2 Quellen
- tagesschau.de/ausland/europa/grossbri…-atomkraft-sizewell-c-100.html
Der Artikel der Tagesschau analysiert den britischen Atomkurs und zeigt am Beispiel von Hinkley Point C, wie die prognostizierten Baukosten auf rund 55 Milliarden Euro gestiegen sind.
- iea.org/energy-system/electricity/nuclear-power
Der Bericht der Internationalen Energieagentur bietet eine detaillierte Analyse der globalen Entwicklung und der wirtschaftlichen Perspektiven der Atomkraft, einschließlich der Herausforderungen im Zusammenhang mit Atomstrom und Atommüll.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
