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MAnFred

Die Behauptung

Deutschland importiert trotz Atomausstieg viel Atomstrom

Kernfakten

  • 2011: Atomausstiegsbeschluss unter Kanzlerin Merkel nach Fukushima, Ausstieg bis 2022

  • Deutschland 2024: 67,0 TWh Stromimport (15,5 % der Erzeugung), größter Anteil aus Frankreich (15,8 TWh)

  • Atomstromanteil Frankreich 65 % → daraus rechnerisch ca. 10,3 TWh (2,4 % des dt. Stroms) Atomstrom importiert

  • Import erfolgt v. a. bei schwacher Wind-/Solarproduktion zur Versorgungssicherheit

  • Kritiker sehen Widerspruch: Atomausstieg im Inland, gleichzeitig Importabhängigkeit von Atomstrom

3 Min. Lesezeit

Im Jahr 2011 beschloss die deutsche Regierung unter der Kanzlerin Angela Merkel nach der Katastrophe von Fukushima den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022. Dieser Beschluss führte zur Stilllegung zahlreicher Kernkraftwerke in Deutschland. Der sogenannte „Atomausstieg“ war ein zentrales Element der deutschen Energiewende, die den Übergang zu erneuerbaren Energien und die Reduktion von CO₂-Emissionen fördern soll.

Die Diskussion um den Ausstieg aus der Kernenergie und die gleichzeitige Abhängigkeit von importiertem Atomstrom führt zu einer breiten öffentlichen Debatte über die Kohärenz und die Konsequenzen dieser Entscheidungen.

Warum importiert Deutschland Atomstrom?

Obwohl Deutschland den eigenen Atomstrom abgeschaltet hat, importiert es weiterhin Strom aus benachbarten Ländern, in denen Kernkraftwerke betrieben werden. Dazu gehören Länder wie Frankreich, Belgien und die Schweiz, die weiterhin auf Kernenergie setzen. Diese Stromimporte erfolgen hauptsächlich, weil die Nachfrage nach Strom in Deutschland teilweise die heimische Produktion von erneuerbaren Energien übersteigt, insbesondere bei schwankender Produktion durch Wind- und Solarenergie.

Strombedarf und Versorgungssicherheit:

Deutschland ist in Stromfragen stark vernetzt und hat ein umfassendes europäisches Stromnetz, das den Import von Energie aus anderen Ländern ermöglicht.

Insbesondere an Tagen mit geringem Wind oder Sonnenlicht wird Atomstrom aus Nachbarländern importiert, um die Stromversorgung stabil zu halten.

Im Jahr 2024 erzeugte Deutschland 431,7 TWh Strom. Es wurden 67,0 TWh (15,5%) des Stroms importiert und 35,1 TWh (8,1%) exportiert.

Der größte Anteil der Importe stammte mit 15,8 TWh aus Frankreich. Bei einem Atomstromanteil von 65% in Frankreich entspricht dies einem Atomstromanteil in Deutschland von ca. 10,3 TWh (2,4%).

Kostengründe:

In einigen Fällen kann Atomstrom aus den Nachbarländern günstiger sein als Strom aus anderen Quellen.

Die niedrigen Produktionskosten von Kernstrom machen ihn auch in Zeiten hoher Stromnachfrage wettbewerbsfähig.

Kritik an der Importpolitik

Widerspruch im Klimaschutz:

Kritiker argumentieren, dass es widersprüchlich ist, die eigene Kernkraft abzuschalten und gleichzeitig aus anderen Ländern Atomstrom zu importieren. Sie werfen der deutschen Regierung vor, die Kernenergie im eigenen Land zu verteufeln, aber in der Praxis weiterhin auf Atomstrom aus dem Ausland angewiesen zu sein.

Energieabhängigkeit:

Der Import von Atomstrom aus Nachbarländern bedeutet, dass Deutschland weiterhin von der Kernenergie abhängig bleibt, wenn auch indirekt. Dies könnte die Unabhängigkeit und Kontrolle über die eigene Energieversorgung in Frage stellen.

Mangel an langfristiger Nachhaltigkeit:

Einige Kritiker argumentieren, dass der Fokus auf erneuerbare Energien nicht schnell genug voranschreitet, um den Ausstieg aus der Kernenergie ohne eine verstärkte Abhängigkeit von Importstrom zu ermöglichen.

Befürworter der Energiewende

Auf der anderen Seite befürworten viele Experten und politische Akteure die Entscheidung, den Atomausstieg zu vollziehen und gleichzeitig auf erneuerbare Energien und Importe zu setzen:

Langfristige Vision einer erneuerbaren Energiezukunft:

Der Fokus liegt auf einer langfristigen Umstellung auf erneuerbare Energien wie Wind, Solar und Wasserkraft. Der Atomausstieg ist dabei als eine notwendige Übergangsmaßnahme im Kontext der Klimaziele und der Nachhaltigkeit zu verstehen.

Technologische Innovation:

Der Ausbau von Speichertechnologien und der Ausbau von Netzen werden als wichtige Elemente betrachtet, um die Abhängigkeit von Importstrom weiter zu verringern und eine sichere, nachhaltige Energiezukunft zu gestalten.

Zusammenfassung

Deutschland hat beschlossen, aus der Kernenergie auszutreten, um die Nutzung von erneuerbaren Energien zu fördern und die Klimaziele zu erreichen.

Der Import von Atomstrom aus Nachbarländern zeigt jedoch die Herausforderungen und Widersprüche, die mit diesem Ausstieg verbunden sind.

Kritiker sehen darin eine Inkohärenz und eine fortwährende Abhängigkeit von Kernenergie, während Befürworter auf den langfristigen Übergang zu erneuerbaren Energien und die fortschreitende Technologieentwicklung setzen.

3 Quellen

  1. bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilung…s-zeitalter-der-atomkraft.html

    Das BMWK erklärt die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe des deutschen Atomausstiegs sowie die Auswirkungen auf die Energieversorgung.

  2. agora-energiewende.de

    Agora Energiewende analysiert die Rolle von Atomstromimporten im Rahmen des deutschen Atomausstiegs und bietet Perspektiven für die zukünftige Energieversorgung.

  3. bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Press…en/DE/2025/20250103_smard.html

    Bericht der Bundesnetzagentur über die Daten des Strommarkts 2024.

Autor: MAnFred

Veröffentlicht am 4. August 2026

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