Der Innerparteiliche Rechtsruck der AfD
Kernfakten
Wendepunkt 2015: Bruch zwischen wirtschaftsliberalem Lager (Lucke) und nationalkonservativem Lager (Petry, Gauland)
Flüchtlingskrise 2015 als Radikalisierungsschub, Slogans „Wir sind das Volk“, „Merkel muss weg“
Jörg Meuthen und Tino Chrupalla übernehmen Vorstandspositionen im Zuge des Rechtsrucks
Ostdeutsche Landesverbände zunehmend von rechtsextremen Positionen geprägt
Bis 2025 etabliert als zentrale Kraft im rechtspopulistischen Lager
3 Min. Lesezeit
Seit ihrer Gründung hat die Alternative für Deutschland (AfD) einen markanten Wandel durchlaufen, der vor allem durch einen deutlichen rechtsgerichteten Kurs gekennzeichnet ist. Was ursprünglich als eine Partei begann, die sich gegen die Euro-Rettungspolitik und für marktwirtschaftliche Prinzipien aussprach, hat sich unter dem Einfluss zunehmend rechter Kräfte zu einer nationalkonservativen und migrationskritischen Partei entwickelt. Dieser rechtsgerichtete Wandel verlief nicht geradlinig, sondern war von innerparteilichen Kämpfen und einer immer stärkeren Radikalisierung geprägt, die die AfD schließlich zu einer der dominierenden rechtspopulistischen Parteien in Deutschland machte.
Die ersten Jahre der AfD: Eurokritik und wirtschaftsliberale Ausrichtung
Zu Beginn war die AfD vor allem durch ihre Eurokritik und wirtschaftsliberale Positionen bekannt. Gründer wie Bernd Lucke und Konrad Adam lehnten die europäische Währungsunion ab und befürworteten eine Rückkehr zur nationalen Währungsautonomie. Diese wirtschaftspolitische Ausrichtung zog vor allem liberale und konservative Wähler an, die sich gegen die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung wendeten. In dieser frühen Phase blieb die AfD in ihrer politischen Ausrichtung relativ moderat und verfolgte primär wirtschaftliche Ziele, die noch nicht durch ein stark nationalistisch geprägtes Programm bestimmt waren.
Der Richtungswechsel: Der Einfluss von Petry und Gauland
Der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte der AfD kam jedoch 2015, als es zu einem innerparteilichen Bruch zwischen den wirtschaftsliberalen Kräften unter Lucke und den nationalkonservativen Kräften um Frauke Petry und Alexander Gauland kam. Lucke und seine Anhänger verließen die Partei und gründeten eine neue Gruppierung, die Liberal-Konservative Reformer. Dies markierte den Beginn des rechtsnationalen Umbaus der AfD. Petry und Gauland setzten zunehmend auf Themen wie Migrationskritik und Nationalismus, was die Partei für viele Wähler aus dem rechten und rechten Rand der Gesellschaft attraktiv machte.
Der Rechtsruck und die Radikalisierung: Vom Populismus zur Extremismusnähe
Unter der Führung von Petry und Gauland nahm die AfD eine zunehmend radikale Haltung ein, vor allem in Bezug auf die Migrationspolitik. Die Flüchtlingskrise 2015 war ein entscheidender Moment, der die Partei weiter radikalisierte. Die AfD positionierte sich als schärfster Gegner der Merkelschen Flüchtlingspolitik und zog mit Slogans wie „Wir sind das Volk“ und „Merkel muss weg“ viele Wähler an, die mit der Politik der etablierten Parteien unzufrieden waren.
Mit der Wahl von Jörg Meuthen und Tino Chrupalla in den Vorstand und der zunehmenden Dominanz von Gauland und Petry als Symbolfiguren der Partei vollzog sich der Rechtsruck hin zu einer offenen Vereinbarkeit mit rechtsextremen Tendenzen. Insbesondere die AfD in Ostdeutschland zeigte sich zunehmend von rechtsextremen Positionen beeinflusst, was auch zu innerparteilichen Auseinandersetzungen mit gemäßigten Kräften führte. Diese Entwicklung mündete in eine zunehmende Zusammenarbeit mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Gruppierungen in Europa.
Die heutige AfD: Eine nationalistische und migrationskritische Partei
Bis 2025 hat sich die AfD als zentrale Kraft im rechtspopulistischen Lager etabliert. Heute zeichnet sich die Partei durch ihre klare anti-islamische, anti-migrantische und nationalistische Ausrichtung aus. Die Partei positioniert sich zunehmend als parlamentarische Stimme der Wutbürger, die mit der aktuellen Politik in Deutschland unzufrieden sind. Ihre Programmatik ist durch hartes Euroskeptizismus, Nationalismus und eine deutliche Ablehnung der deutschen Migrationspolitik geprägt.
Die AfD hat sich von einer eurokritischen Partei zu einer politischen Kraft entwickelt, die in weiten Teilen mit populistischen, nationalistischen und teilweise extrem rechten Strömungen sympathisiert. Beobachter verweisen dabei unter anderem auf Kontakte einzelner AfD-Mitglieder zu Akteuren der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung sowie auf Auftritte von AfD-Politikern auf Veranstaltungen rechtspopulistischer Parteien in Europa. Der innerparteiliche Rechtsruck hat der AfD auch den Status einer Partei des Rechtspopulismus verliehen, die durch eine harte Rhetorik und polarisierende Themen große Teile der Bevölkerung anspricht.
Fazit
Der rechtsgerichtete Wandel der AfD ist das Resultat sowohl interner Machtkämpfe als auch eines strategischen Kurses, der die nationalistischen und migrationskritischen Themen in den Vordergrund stellte. Dieser Rechtsruck hat die Partei zu einer dominierenden Kraft im deutschen Rechtspopulismus gemacht, deren Einfluss im politischen System nach wie vor stark wächst. Es bleibt abzuwarten, wie sich die AfD unter der zunehmend radikaleren Führung in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.
2 Quellen
- bpb.de/themen/parteien/parteien-in-de…n-der-parteigeschichte-der-afd
Die Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung bietet eine detaillierte Darstellung der Etappen in der Geschichte der AfD, von ihrer Gründung bis hin zu den innerparteilichen Umbrüchen und politischen Veränderungen der Partei.
- sueddeutsche.de/politik/streit-in-der…gel-um-sich-schlagen-1.3265017
Der Artikel der Süddeutschen Zeitung beschreibt die innerparteilichen Machtkämpfe 2016 und den zunehmenden Konflikt zwischen den verschiedenen Flügeln der AfD, die den Rechtsruck der Partei und die Auseinandersetzungen um ihre zukünftige Ausrichtung verdeutlichten.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
