Der Flügel – Radikalisierung innerhalb der AfD
Kernfakten
Gegründet 2015/16, geprägt von Björn Höcke und Andreas Kalbitz
Höckes Dresdner Rede 2017: Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet
März 2020: Verfassungsschutz stuft „Flügel“ als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ ein
Offizielle Auflösung März 2020 unter Parteichef Jörg Meuthen
Ehemalige Mitglieder bis heute einflussreich, v.a. in Thüringen, Sachsen, Brandenburg
2 Min. Lesezeit
Der sogenannte „Flügel“ war eine rechtsextreme Strömung innerhalb der AfD, die von Björn Höcke und Andreas Kalbitz maßgeblich geprägt wurde. Die Gruppierung galt als treibende Kraft hinter der Radikalisierung der Partei und sorgte für tiefgehende innerparteiliche Konflikte. Obwohl der „Flügel“ 2020 offiziell aufgelöst wurde, ist sein Einfluss auf die heutige AfD weiterhin spürbar.
Die Entstehung des Flügels
Der „Flügel“ wurde um 2015/16 als netzwerkartiges Bündnis innerhalb der AfD gegründet, nachdem sich die Partei zunehmend vom wirtschaftsliberalen Kurs ihrer Anfangszeit entfernte. Insbesondere in Ostdeutschland gewann die Strömung an Einfluss, da sie mit einem radikalen nationalistischen Kurs Wähler ansprach, die sich mit der etablierten Politik nicht mehr identifizierten.
Björn Höcke, Landesvorsitzender der AfD Thüringen, war die prägende Figur dieser Bewegung. Er vertrat eine völkisch-nationalistische Ideologie, die oft Parallelen zur extremen Rechten aufwies. Seine Dresdner Rede von 2017, in der er das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnete, löste breite Empörung aus und verdeutlichte die Nähe des „Flügels“ zu geschichtsrevisionistischen und rechtsextremen Positionen.
Die Ideologie des Flügels
Der „Flügel“ unterschied sich von anderen Strömungen innerhalb der AfD durch seine klare Nähe zu rechtsextremen und völkischen Ideen. Die Mitglieder lehnten eine gemäßigte, konservative Ausrichtung der AfD ab und forderten eine harte nationalistische Politik. Zentral für ihre Ideologie waren:
Völkischer Nationalismus: Die Vorstellung eines ethnisch homogenen deutschen Volkes, das vor äußeren Einflüssen „geschützt“ werden müsse.
Schärfste Migrationskritik: Forderungen nach einem radikalen „Remigrations“-Programm, das die Rückführung von Migranten beinhaltet.
Abkehr von der parlamentarischen Demokratie: Nach Einschätzung von Verfassungsschutz und Medienberichten deuteten Aussagen einzelner „Flügel“-Anhänger auf eine kritische bis ablehnende Haltung gegenüber dem demokratischen System hin.
Der Verfassungsschutz und das Ende des Flügels
Der wachsende Einfluss des „Flügels“ blieb nicht unbeobachtet. Im März 2020 wurde die Gruppierung vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft. Dies hatte erhebliche Folgen für die AfD, da der Verfassungsschutz damit begann, die gesamte Partei stärker zu überwachen.
Unter diesem Druck beschloss die AfD-Führung unter Jörg Meuthen die offizielle Auflösung des „Flügels“ im März 2020. Allerdings bedeutete dies keinen tatsächlichen Bruch, da viele der ehemaligen Mitglieder weiterhin in der Partei aktiv blieben. Besonders in den ostdeutschen Landesverbänden sind frühere „Flügel“-Anhänger bis heute tonangebend.
Einfluss des Flügels auf die heutige AfD
Trotz der offiziellen Auflösung hat der „Flügel“ die Ausrichtung der AfD nachhaltig geprägt. Besonders in Thüringen, Sachsen und Brandenburg sind seine Ideologien und Akteure weiterhin bestimmend. Björn Höcke ist bis heute eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Partei und prägt mit seinen Positionen maßgeblich den Kurs der AfD.
Viele Beobachter sehen in der heutigen AfD eine Partei, die sich weitgehend mit der Ideologie des „Flügels“ identifiziert hat. Die einstige Trennung zwischen gemäßigten und radikalen Kräften ist weitgehend verschwunden, sodass sich die AfD heute mehr denn je als nationalistische Protestpartei versteht.
Fazit
Der „Flügel“ war eine entscheidende Kraft für die Radikalisierung der AfD. Seine Netzwerke bestehen weiterhin, und viele seiner Positionen sind heute im Parteiprogramm der AfD verankert. Auch wenn der „Flügel“ offiziell nicht mehr existiert, hat er die Partei langfristig geprägt und in eine Richtung gelenkt, die sie für viele Beobachter in die Nähe des Rechtsextremismus rückt.
2 Quellen
- rnd.de/politik/vom-verfassungsschutz-…IXTQC5OWJCSBBDB7J53FNGWK4.html
Der Artikel des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) beleuchtet die führenden Köpfe und Strukturen des rechtsextremen „Flügels“ der AfD sowie die Gründe für dessen Einstufung als Beobachtungsfall durch den Verfassungsschutz.
- deutschlandfunk.de/afd-zweifel-an-der…chtsextremen-fluegels-100.html
Der Artikel des Deutschlandfunks thematisiert die Zweifel an der tatsächlichen Auflösung des rechtsextremen „Flügels“ der AfD und zeigt auf, wie ehemalige Mitglieder weiterhin großen Einfluss innerhalb der Partei ausüben.
Autor: MAnFred
Veröffentlicht am 4. August 2026
